Balkonblick

Im Dunst des eigenen Lebens liegst du da und staunst über die unmittelbare Wandelfähigkeit der Monate und Jahre, denn eines Morgens wachst du auf, findest nichts mehr wie gestern noch vor, alles liegt verlassen dar, der Mensch, der gestern noch dort war, ist verschwunden und das Zimmer ist leer,  wie das Innere ganz tief in dir drin. Mein Blick schweift über den Balkon hinaus in das neue Leben, das entstanden ist wie eine Abbruchkante entsteht, durch unglaubliche Kräfte, die sich verwirklichen und konzentrieren. Stille und Leere kommen heraus und nehmen alles ein, und gleichzeitig schreit alles in dir auf, der weite Raum ist eingenommen durch Starre und Hilflosigkeit. Später schlummere ich, eine somnambule Diffusität ergreift mich. Mit den ersten Sonnenstrahlen kehrt dein Bewusstsein aus diesem Dämmerzustand zurück in diesen lähmenden, kreisenden und immer kreisenden Denkzustand, der kein Ende nimmt und keines kennt. Und auch die Sonne bedeutet dir nichts mehr. Alles ist eine hellere Dunkelheit, die wohl alles ergriffen hat. Du stehst wieder an diesem Balkon und hoffst auch nicht mehr. Du blickst nur hinaus und wartest. Auf einen besonderen Vogel, der sich vielleicht auf die Brüstung setzt und ein schönes Lied vorspielt. Vielleicht auf die Apokalypse. Ich warte. Aber worauf denn nur!?